Freitag, 11. Mai 2018

Buchrezension: Die Herzen der Männer


Die Daten zum Buch

  • Gebundene Ausgabe: 477 Seiten
  • Klett-Cotta Verlag
  • ISBN: 978-3-608-98313-5
  • 22 Euro in allen gängigen Buch- und Onlinebuchhandlungen

Zentraler Mittelpunkt des Romans ist das Pfadfinderlager Chippewa, irgendwo in Wisconsin/USA. Die Zeitspanne dieser Geschichte umfasst rund 60 Jahre und die Leser bekommen einen guten Einblick, wie sich das Campleben im Laufe der Zeit veränderte. Der moderne Fortschritt macht eben vor nichts halt – nicht jeder kommt mit dieser Tatsache klar.  Aber darum geht es nicht.

Nein, „Die Herzen der Männer“ thematisiert nur am Rande, ob man Fährtenlesen im Jahr 2019 zum „Mann werden“ braucht.
Es geht in erster Linie um Generationenkonflikte, um Verletzungen, Enttäuschungen, sowie Verluste und welche Auswirkungen dies auf die eigene, persönliche Entwicklung hat.


Die Geschichte beginnt im Sommer 1962. Zusammen mit seinem Vater ist der 13-jährige Nelson Doughty Teilnehmer im oben erwähnten Zeltlager. Nelson ist der Parade-Pfadfinder schlechthin und er blüht bei jeder Aufgabe, jedem neuen Verdienst-Abzeichen so richtig auf. Mit seinem tadellosen Engagement zieht er den Neid und Spot der anderen Jugendlichen auf sich und er muss einige schlimme Attacken über sich ergehen lassen. Selbst der eigene Vater schämt sich wegen ihm. Lediglich Jonathan verhält sich Nelson gegenüber einigermaßen respektvoll, wobei das Wort Freundschaft hier immer noch fehl am Platz ist. Als Nelson einen handfesten Skandal aufdeckt, in den auch einige Betreuer des Zeltlagers involviert sind, verändern die daraus resultierenden Konsequenzen das Leben von Nelsons Familie für immer.

Etliche Jahre später leitet der ledige Nelson das Lager Chippewa. Er bringt jungen Menschen Werte, Würde und Achtung bei. Ihm gefällt diese Aufgabe. Der Kontakt zu seinem früheren Kumpel ist nie ganz abgerissen. Jährlich besucht Jonathan zusammen mit seinem Sohn Trevor das obligatorische Pfadfinderlager in der wilden Natur. So auch im Jahr 1996. Trevor, mittlerweile fast zu alt für diese Sommeraktion, schwebt auf rosaroten Wolken. Er hat seine große Liebe gefunden, Rachel. Jonathan findet diese Beziehung albern und er nutzt den gemeinsamen Urlaub, um Trevor diesbezüglich die Leviten zu lesen. Und er hat noch mehr Überraschungen für seinen Sohn parat. Wieder beginnt mit dem Ende des Urlaubs ein neuer Lebensabschnitt für alle Beteiligten.  



2019 ist Rachel die Erwachsene, die ihren Sohn Thomas ins Camp begleitet. Sie freut sich auf das sieben tägige Leben in der wilden Natur. Und auf Nelson, in dem sie einen väterlichen Freund gefunden hat. Es ist die letzte Pfadfindersaison für den inzwischen 70-jährigen. Er plant seinen verdienten Ruhestand außerhalb der Wälder Wisconsins. Während das Lagerleben seinen gewohnten Gang nimmt, schlägt das Schicksal noch einmal gnadenlos zu. Und als im Camp der letzte Zapfenstreich auf der Trompete gespielt wird, weine ich, die Leserin, bittere Tränen.



Mein Fazit:

Gewaltige Zeitsprünge prägen diesen Roman und jeder der drei Abschnitte, hat seine eigene, gefühlvolle  Geschichte. Was zwischenzeitlich im Leben von Nelson und Jonathan geschah, wird in wohldosierten Rückblicken und Reflektionen geschildert. So entstand eine glaubwürdige und stimmige Story, die mir einige wunderbare Lesestunden geschenkt hat. Das Buch ist ein Wechselbad der Gefühle und schildert eindrücklich, wie Elternbeziehungen, Kriegseinsätze oder Liebeskonstellationen prägen und für spätere Handlungen verantwortlich sind.

Ich zitiere das Magazin People – „Ein zärtliches, einfühlsames Buch – eine wunderbare Geschichte“.  Besser kann man „Die Herzen der Männer“ nicht beschreiben.
Eine absolute Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen.



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