Dienstag, 21. November 2017

Buchrezension "Ein fauler Gott"



Klappentext:

Sommer 1972. Benjamin ist vor einigen Wochen elf geworden. Im nächsten Schuljahr wird er ein Herrenrad bekommen, eine Freundin und vielleicht eine tiefe Stimme. Doch dann stirbt sein kleiner Bruder Jonas. Nachts sitzt Bens Mutter auf einer Heizdecke und weint. Ben kommt nun extra pünktlich nach Hause, er spielt ihr auf der C-Flöte vor und unterhält sich mit ihr über den Archäopteryx. An Jonas denkt er immer seltener. Ben hat mit dem Leben zu tun, er muss für das Fußballtor wachsen, sein bester Freund erklärt ihm die Eierstöcke, und sein erster Kuss schmeckt nach Regenwurm. Mit seiner neuen Armbanduhr berechnet er die Zeit.


Meine Rezension:

Dieses Buch behandelt ein Thema, welches keinen Leser kalt lässt: Den Tod des 8-jährigen Jonas und die Zeit nach diesem tragischen Ereignis.  Abwechselnd geschildert aus Sicht der Mutter und des 3 Jahre älteren Bruders von Jonas, Benjamin.

Sommer 1972: Ein Badeunfall bringt den kleinen Buben ins Krankenhaus, wo er kurze Zeit später verstirbt. Er hinterlässt seine alleinerziehende Mutter Ruth und Ben, der an der Schwelle der Pubertät steht. Die beiden müssen sich mit dieser neuen, unmenschlichen Situation arrangieren und wir Leser begleiten sie auf diesem steinigen Weg.



Ben ist so ein richtig liebenswerter Charakter. Charmante Flausen, kindgerechte Phantasiewelten, lustige Streiche, unzerstörbare Jungenfreundschaften und erste zaghafte Ausflüge in die Erwachsenenwelt zeichnen den Jungen aus.

Ruth hingegen driftet immer tiefer in die grauschwarze Depression ab.

Mein Fazit:
Ich habe diesen Roman sehr gerne gelesen und ich genoss die Reise in die 70-Jahre, wo Ilja Richter noch die Mädchen zum Kreischen brachte und man Poster von Winnetou in die Kinderzimmer hängte. Diese Nostalgie, einfach perfekt.



Nein, ich nörgle an den Hauptprotagonisten herum und wie sie mit Jonas Tod zurechtkamen.

Ben z.B., ein ganz toller Junge. Aber ist man mit fast 13 Jahren nicht zu alt für Engel auf weißen Wolken? Erkennt man in diesem Alter nicht manchmal auch den Schmerz des Lebens? Nimmt man alles wirklich  immer freundlich und geduldig hin? Ohne Rebellion, ohne Kritik, ohne Hintergedanken? Bens Welt ist so sehr in Ordnung, dass alles andere ein Stück weit verblasst.

Ruth: Stephan Lose brummt ihr den Schmerz des Todes ganz alleine auf, während ihr Exmann sich ein neues Leben aufbaut und keinerlei Anzeichen von Trauer zeigt. Gibt man seine Kinder nach einer Scheidung einfach so ab, wie einen Mantel an einer Garderobe? Gibt es wirklich niemanden, der Ruths Seelenqualen erkennt und sie auf den Weg zurückbegleiten kann? Das kann ich mir fast nicht vorstellen.



Nun gut, so ist es nun mal. Ich vergebe daher nur 3 von 5 Sternen in meiner Bewertung. Die Trauer gibt es nach meinem persönlichen Empfinden nicht nur in Schwarz oder Weiß, sie berührte mich in „Ein fauler Gott“nicht. Ich möchte trotzdem eine Empfehlung für den Roman aussprechen. Das Buch ist gut, Punkt! 




Die Daten zum Buch

  • Gebundene Ausgabe, 336 Seiten
  • Suhrkamp Verlag, Auflage 1, erschienen am 6. März 2017
  • ISBN: 978-3-518-42587-9
  • 22 Euro in allen Buch- und Onlinebuchhandlungen 

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