Donnerstag, 28. Dezember 2017

Buchrezension "Eine allgemeine Theorie des Vergessens"


„Eine allgemeine Theorie des Vergessens“ erzählt uns die Geschichte Angolas. Nationalistische Widerstandskämpfe, Portugals Militärputsch, Unabhängigkeitsversuche, das Einmischen Kubas und spätere Bürgerkriege, ein Kampf der Jahrzehnte dauerte.

Eingebettet in die Historie des afrikanischen Landes begleiten wir die menschenscheue Ludovica Fernandes Mano, die  am Vorabend der angolanischen Revolution in Notwehr einen Mann erschoss und sich daraufhin in ihrer Wohnung einmauerte. Für 30 lange Jahre, unsichtbar für die restliche Welt.
Unvorstellbar, aber doch wahr. Zehn Tagebuchhefte und zahlreiche Fotografien bezeugen, dass sie dieses isolierte Leben führte.



Ich fasse den Roman mit  wenigen Worten zusammen: Wild, konfus, viel zu kurz, genial.

Angolas Geschichte interessierte mich bis dato wenig. Ich erfuhr erst durch die Theorie des Vergessens einige bruchstückhafte Geschichtshappen der vergangenen 50 Jahre. Diese politisch bildenden Anekdoten erzeugten einen verwirrenden Knoten in meinem Kopf. Zu viele Namen, zu viele Fakten, wild und konfus. Ich konnte mir erst durch Informationen aus dem Internet ein Bild über Angola machen.  Agualusas Geschichtsunterricht ist nicht so ganz geglückt.

Ludovica verbarrikadierte sich 30 Jahre lang vor der Öffentlichkeit. Ich wollte alles darüber wissen: Die Wohnsituation, das Essen, das Management…, einfach alles.  Mein Hauptgrund für den  Kauf des Romans. Ich bin enttäuscht, wie wenig Lektüren-Platz Agualusa dieser ungewöhnlichen Frau schenkte. Ihre Storyline, gemeinsam mit Angolas Geschichte hätte definitiv die doppelte Seitenanzahl im Buch verdient.   



Genial ist der fiktive Part dieser Geschichte. Über ihn habe ich mich königlich amüsiert. Wirklich, diese kleinen Anekdoten der Nebenschauplätze, der Menschen rund um Ludovica, machten meine oben genannten Kritikpunkte fast wieder wett. Im Buch geschieht nichts aus Zufall, alles wird am Ende bis ins kleinste Detail aufgeklärt. Über manche Verwicklungen musste ich lauthals lachen, manche betrübten, einige waren sentimental, andere blutig,  aber im Endeffekt waren alle genial. Hier hat der Autor großes Talent bewiesen.


Dieser Roman ist eine besondere Rarität und bestimmt nicht jedermanns Geschmack. Trotzdem, ich bereue nicht, dass er in meinem Bücherregal steht. Er ist bei mir ganz knapp an der 5 Sterne - Bewertung vorbei geschrammt. Ich gebe auf alle Fälle eine Leseempfehlung. 


Die Daten zum Buch

  • Gebundene Ausgabe (197 Seiten)
  • Verlag: C.H. Beck
  • ISBN: 978 3 406 71340 8
  • 19,95 Euro in allen gängigen Buch- und Onlinebuchhandlungen

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