Freitag, 15. Dezember 2017

Buchrezension "Sterne über Lissabon"


Klappentext: 
Tess findet im Nachlass ihres Großvaters einen Fado-Text. Sie ist von der Melancholie und Leidenschaft, die aus den Liedzeilen spricht, so gefesselt, dass sie sich auf die Spur nach der Herkunft des Textes begibt. Die Spur des Fado führt nach Lissabon, wo ihre Mutter vor Jahren tragisch verunglückte. In der pulsierenden Stadt stößt Tess auf das Schicksal eines jungen Mannes, der vor den Nazis nach Lissabon geflohen ist. Er suchte die Freiheit und fand die große Liebe. Wird seine Geschichte sie mit der Vergangenheit versöhnen? 


Manuela Martini
Manuela Martini, geboren 1963 in Mainz, hat bereits über 20 Romane, Krimis und Thriller veröffentlicht. "Sterne über Lissabon" ist ihr erster Familienroman. Die Autorin lebt seit vielen Jahren in Spanien.

Die Daten zum Buch:

  • Taschenbuch (320 Seiten)
  • Verlag: Aufbau-Verlag
  • ISBN: 978-3-7466-3339-8
  • 9,99 Euro in allen gängigen Buch- und Onlinebuchhandlungen

Der Fado
Der Fado ist ein portugiesischer Musikstil, der vor allem in Lissabon beheimatet ist. Fado bedeutet Schicksal/göttlicher Wille. Die Texte handeln vor allem von unglücklicher Liebe, sozialen Missständen, der Sehnsucht nach besseren Zeiten. In der Regel wird ein Fado vom Klang einer Gitarre begleitet.


Mein Fazit
John Plough, ein Mann, der einst sentimentale Liedtexte verfasste? Als Tess den Fado ihres verstorbenen Großvaters in den Händen hält, kann sie nicht glauben, dass diese Worte aus seiner Feder stammten. Er war strebsam, gradlinig und erfolgreich, aber doch niemals zu solch emotionalen Worten fähig. Das Geheimnis der Vergangenheit liegt in Lissabon, einer Stadt die bereits mehrmals das Schicksal der Familie Plough beeinflusste. Und so macht sich Tess auf den langen Weg nach Portugal, um Antworten zu suchen und auch, um sich selbst zu finden.  


Ich lege das Buch zwiegespalten zurück ins Regal.
Auf der einen Seite berührte Hans Scheugenpflug alias John Plough mein Innerstes. Ich verlor mich in seiner Lebensgeschichte, die ihn von Deutschland über Frankreich, bis nach Lissabon führte. Die Schrecken des zweiten Weltkrieges, die emotionale Folter wenn Vernunft über Gefühle siegte und das kleine Glück, welches doch immer wieder aufflammte, lassen den Roman zu einer großartigen Lektüre werden.

Leider verpasste Manuela Martini diesen Charme nicht allen Hauptprotagonisten. 

Eleonore, die Ehefrau von Hans: Ihr hatte das Schicksal übel mitgespielt. Ich kann ihre Verbitterung verstehen, zumindest teilweise. Aber auch Hans musste sein Kriegsschicksal ertragen. Warum gab sie ihn nicht frei? Warum verschwieg sie ihre Lebensgeschichte auch noch, als  die Dunkelheit in Form beginnender Alzheimer in ihr Leben trat? Ich erlebe Eleonore als unsympathischen Charakter, der nie zufrieden wirkt. Sie ist schuld, dass viele Menschen in ihrem Umfeld nicht das wahre Glück fanden...

Tess: Ja, ihre Beziehung zu Adrian ist Routine, belanglos und...  Tess Charakter:  Gäähnnn... Ups, eingeschlafen...

Schlussendlich hat ihre Tange so viel amerikanisches Klischee abbekommen, dass ich mehrmals mit den Augen rollte. 

Das bedeutet: 
Weder Eleonore noch Tess konnten Scheugenpflug ans Wasser reichen. Ich fand es fast schade, wenn die Story zurück in die Gegenwart führte. 
Außerdem wirkten die Zufälle, die Tess auf die Spuren des Fados führten unglaubwürdig. Ein Beispiel: Bewahrt ein alter Mann, der vor Jahrzehnten eine Pension leitete, ein Tagebuch auf, dass er im Zimmer eines Gastes gefunden hat? Lissabon ist doch kein Dorf... Seufz...

Resümee: Ich gebe eine Leseempfehlung. Die Geschichte von Hans und seinem Fado ist es wert, dass man diesen Roman liest, zumal er gut und flüssig geschrieben wurde. Der Rest der Familiengeschichte verblasst, aber das macht nichts…  

Quelle Fotos Pixabay (Suchbegriffe Lissabon und Fado)





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