Montag, 6. Juni 2016

Buchrezension Maestra

Ich liebe die Lesechallenges von Lovelybooks. Gemeinsam mit 49 anderen Lesern wird monatlich ein Buch so richtig unter die Lupe genommen. Es werden einzelne Abschnitte besprochen, Zusatzaufgaben erledigt und die besten 10 erhalten am Ende einen tollen Preis. 

Der Monat Mai stand ganz im Zeichen des Buches "Maestra". Meine Rezension dazu, möchte ich euch nicht vorenthalten.


Die Daten zum Buch


Meine Rezension

Der Inhalt =
Der 27-jährigen Judith Rashleigh gelingt rechtzeitig der Ausstieg aus dem gewaltbereiten Umfeld ihrer Jugendtage, bei dem sie auch tatkräftig mitgewirkt hatte.
Sie studiert Kunstgeschichte und beginnt ihre berufliche Karriere in einem renommierten Londoner Auktionshaus.
Eines Tages entlarvt sie ein Gemälde des Malers George Stubbs als Fälschung. Trotzdem wird es zum Verkauf angeboten. Als Judith der Sache auf den Grund gehen will, wird sie kurzerhand von ihrem Chef auf die Straße gesetzt.
Judith liebt Luxus. Kleidung, Wohnungseinrichtung, Bekanntenkreis, Reisen… Sie will das Beste vom Besten und sie ist durchaus bereit, ihre vorhandenen körperlichen Reize für diverse Vergünstigungen einzusetzen. Nun arbeitslos, muss sie eine neue Geldquelle für ihren teuren Lebensstil finden, was der guten Judith recht schnell gelingt. Und die Chance auf den großen Reichtum wittert sie, als oben erwähnter Stubbs zum zweiten Mal ihren Weg kreuzt. Mit diesem Ziel vor Augen schreckt Judith vor nichts mehr zurück, selbst wenn sie dabei über Leichen gehen muss…

Über das Buch = 
Maestra wird als erotischer Thriller, der in der Kunsthandel-Szene spielt, beworben. Ein Genremix, welcher durchaus meinen Lesegeschmack trifft. Voller Neugier lass ich im Vorfeld  diverse Rezensionen zum Buch, die kontroverser kaum ausfallen konnten. Sind die Kritiken berechtigt? Ich wollte mir selbst ein Bild von diesem Roman machen.

Vorab gebe ich zu, der Schreibstil ist nicht schuld daran, dass die Geschichte von mir eher schlecht bewertet wird. Das Buch liest sich flüssig, ist durchaus spannend, hat überraschende Wendungen und entführt den Leser in die High Society - Welt mit all ihren Intrigen, Verschwörungen und der Oberflächlichkeit.
Dass Judith im Laufe der Geschichte unzählige Male ihrem Shopping-Wahn frönt und eine Boutique nach der anderen abklappert, hat mich persönlich kaum gestört. Im Gegenteil, ich fand es spannend herauszufinden, welche Designermarken ich überhaupt nicht kannte. Übrigens, in diesem Buch bekommt das Wort Schleichwerbung eine ganz neue Dimension.

Nein, ich hatte meine Schwierigkeiten mit der Hauptprotagonistin Judith. Für mich muss die Person, um welche die Geschichte aufgebaut wird, nicht unbedingt sympathisch sein. Das erwarte ich gar nicht. Aber Judith ist definitiv einen „touch too much“ und zwar in folgenden Punkten =
Ihre Mitmenschen (dieser Punkt bezieht sich nicht nur auf Judith) = Mit der Oberflächlichkeit der Personen untereinander komme ich überhaupt nicht klar. Sämtliche moralische Werte werden mit den Füßen getreten. Neid, Untreue, Habgier, Bosheit etc. sind die Worte, die die Menschen in diesem Thriller begleiten. Wenn dies der Preis für Reichtum ist, möchte ich persönlich nie in solchen Kreisen verkehren.
Ihr Sexualleben = Judith prostituiert sich mit allen denkbaren Praktiken, die man sich vorstellen kann. Dabei schläft sie vermutlich mit 80% aller Männer aus dem Roman. Die zahlreich geschilderten Sexszenen sind weder sinnlich noch ansprechend geschildert. Für mich waren sie oft widerwertig und teilweise recht eklig. Manche Informationen, z.B. das Stuhlverhalten eines Freiers haben in einem Roman nichts verloren, wenn es für die Story so gut wie keinerlei Bedeutung hat.
Ihre Verbrechen = L.S. Hilton macht aus Judith ein Verbrechergenie, die blitzschnell alle Zusammenhänge erkennt und innerhalb kürzester Zeit den perfekten Mord planen kann. Ihre Spur zieht sich durch sämtliche Metropolen Europas. Selbst im organisierten Verbrechen Italiens mischt sie mit. Hier fallen mir nur die Worte ein: Unrealistisch, Unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen.
Judith als Person = Am Anfang des Buches suchte ich nach Gründen, warum Judith zu dieser Persönlichkeit wurde. Spielte z.B. ihre Jugend eine Rolle? Die ersten 100 Seiten bildete ich mir ein gewisses Verständnis für ihren Charakter ein. Mittlerweile, am Ende des Romans angelangt, ist Judith für mich nur noch ein abstoßendes, gefühlskaltes Monster, die sich durch halb Europa mordet. Ich kann ihre Beweggründe nicht mehr nachvollziehen.

Mein Fazit = 
Der Roman spaltet meine Gefühlswelt und ich stelle mein Buch etwas ratlos in mein Bücherregal zurück. Kann ich eine Leseempfehlung geben? Ich weiß es nicht. Ich bin trotz meiner vielen Kritik sogar bereit eine evtl. Fortsetzung zu lesen. Warum? Ich wünsche Judith eine gerechte Strafe und bin gespannt, ob diese eintreffen wird.
Darum bleibe ich neutral und bewerte diesen Roman mit 3 von 5 Sternen. 



Was würde wohl der Maler George Stubbs zu Maestra sagen?



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