Montag, 12. Februar 2018

Buchrezension - Die Schulter des Riesen


Ein Gegenwartsroman von Raffael Rauhenberg

Was bleibt einem, wenn man alles verloren hat? 
Gibt es im Leben ein Licht, dass der Dunkelheit ihre Schrecken nimmt?

Die Daten zum Buch
  • Erhältlich als Ebook - Kindle Edition bei Amazon
  • Seitenanzahl: 439
  • Kindle Unlimited Nutzer lesen kostenlos , sonst 3,50 Euro

Mein Fazit


„Gutbürgerlich“, genau das symbolisiert Gregor Bach. Verheiratet, Vater von zwei quirligen Buben, mittelmäßiges Jahresgehalt und eine solide Wohnsituation im unspektakulären Viertel von Querra, der fiktiven Kleinstadt dieses Romans.
Die Dampfwalze, die das normale Leben von Gregor an jenem heißen Septembernachmittag für immer plattmachte, stand in Form einer drogensüchtigen, verwahrlosten Frau im Esszimmer. Ihre Dreistigkeit triggerte  Gregors Jähzorn. In einem gewalttätigen Wutanfall zerrte er das junge Mädchen brutal zurück auf die Straße. Ihre anschließende Rache und die daraus resultierenden Folgen sind ein Paradebeispiel, dass jedes vermeintliche Glück wie eine Seifenblase zerplatzen kann.

Wir Leser erleben schonungslos den sozialen Abstieg Gregors, bis hin zum menschenunwürdigen Dasein als obdachloser Bettler. Seine persönliche Geschichte ist nachvollziehbar und erschreckend. Im behördengeprägten, abgesicherten Deutschland kann man sich eben nicht blind auf Sozialhilfe, Arbeitslosengeld oder juristische Hilfe verlassen. Das führt uns der Autor deutlich vor Augen.

Quelle Pixaby

Meine einzige Kritik: Es geht in Raffaels Rauhenbergs Story um den Fall ins Existenzlose. Ich musste die Reaktionen und Handlungen von Gregors Familie und seinen wenigen Freunden ausblenden.  Das Wegschauen und Ausgrenzen empfand ich plump und egoistisch. Die familiäre Entwicklung der Geschichte, der natürlich für den sozialen Abstieg des Familienvaters eine bedeutende Rolle spielte, wurde vielleicht  etwas unglaubwürdig gelöst.

Raffael Rauhenberg beeindruckte mit seinen Porträts der Obdachlosen, Menschen, die man oft meidet. Hinter jedem, der auf der Straße zuhause ist, hinter jedem Junkie und hinter jedem, der seinen Körper für Geld verkauft, steckt ein Schicksal.  Der Autor schert nicht alle über einen Kamm. Ich lernte im Buch viele Facetten dieser sozialen Schicht kennen. Es gibt sie alle: Die Selbstverschuldeten, die mit dem bösen Herzen, die Faulenzer, diejenigen, die so viel Gutes verdient hätten, und, und, und…

Quelle Pixaby

Ich möchte den Roman, trotz kleiner Kritik, mit 5 Sternen bewerten. Er hat mich aufgewühlt und zum Nachdenken gebracht. Die Geschichte ist rund. Sie wurde sehr ausführlich erzählt, kein Buch, welches man schnell mal liest. Ich empfehle den Gegenwartsroman allen, die gerne mal einen Blick außerhalb ihrer sozialen Wohlfühlzone werfen möchten. Jeden von uns kann Gregors Schicksal treffen. 


Der Roman wurde mir kostenlos vom Autor zur Verfügung gestellt - Vielen Dank.

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