Sonntag, 9. August 2015

Micah

Der Roman Micah, den ich durch eine Leserunde bei Lovelybooks kennenlernen durfte, hat mich unglaublich fasziniert. Hier folgt meine Rezension zu diesem tollen Buch. Man kann es als Kindle- Edition bei Amazon für 6,99 Euro erwerben.



Der junge Musiker Micah leidet unheilbar an Lungenkrebs. Als einzige Lebensfreude gönnt sich der Schwerkranke an guten Abenden einen Drink in einer nahegelegenen Bar. Dort lernt er den Vampir Darius kennen und er fühlt sich sofort zu dem starken Mann hingezogen. Als Micah in eben dieser Bar gewalttätig angegriffen wird, nehmen die Dinge ihren Lauf. Kann Micah von seiner schweren Krankheit geheilt werden? Welchen Platz nehmen Darius, Dio und Rodney in Micahs Leben ein? Lernt Micah seinen richtigen Vater kennen? Kann er die Dämonen seiner Kindheit verarbeiten? Kann man allen Ratsherren trauen? Wird Micah seine Wahl-Schwester Alexa wiedersehen?
Bereits auf dem Cover ist zu erkennen, dieser Roman spielt in der Fantasy-Szene. Vampire, Gestaltwandler, Drachen und Micah als Dampir. Wesen, sogenannte Supras, die in der realen Welt ihren Platz haben und mitten unter den Menschen wohnen.
Sexuell orientiert sich Micah in der Gay-Szene, was viele ausführlich geschilderte Szenen belegen. Viele sexuelle Kontakte finden gepaart mit BDSM statt, die des Öfteren auch brutal und gewalttätig ausfallen. Detailgetreu wird geschildert, wie man sexuelle Befriedigung mithilfe von Schlägen, Fesselspielen und Roleplay finden kann, wobei Tina Filsak, sowohl auf die Gefühle des Doms, als auch auf die Gefühle des jeweiligen Sklaven eingeht. Der Leser darf nicht gerade zimperlich sein. Wer auf „Blümchen-BDSM“ alias „50 Shades of Grey“  steht, sollte von Micah lieber seine Finger lassen.
Die Ausbildung von Rodney als Lakai, der sich bedingungslos mit seinem gesamten Tun, Denken und Fühlen ganz und gar Micah unterwerfen will und die Vorbereitung auf die Abschlussprüfung dazu, nehmen einen großen Platz im Roman ein. Diese Szenen werden von verschiedenen Seiten aus beleuchtet und man erhält einen guten Einblick, wie alle Betroffenen mit dem Wunsch, dass Rod nun keinen eigenen Willen mehr hat, umgehen.
Dazwischen erfährt der Leser vieles aus der Vergangenheit der einzelnen Protagonisten, manche haben massiven Missbrauch am eigenen Leib erfahren, wurden geschlagen, vergewaltigt, zur Prostitution gezwungen oder gerieten an die falschen Personen und müssen nun mit diesen Dämonen der Vergangenheit klarkommen. Diese gewalttätigen Schilderungen gehen ziemlich unter die Haut, nicht unbedingt etwas für schwache Nerven, denn die brutalen Szenen werden bildhaft beschrieben.

Mein Fazit
Mich persönlich hat Tina Filsaks bildhafter und ausführlicher Schreibstil unglaublich fasziniert. Ich hatte große Mühe den Roman aus den Fingern zu legen, es ist eines meiner besten Bücher seit langem, trotz der vielen Gewalt. Ich konnte mich richtig gut in die einzelnen Charaktere hineinversetzen und ihr Fühlen und Denken miterleben. Somit war der Roman zu keiner Zeit langweilig. Szenen, bei denen ich dachte, dass sie sich weiter wie ein roter Faden bis zum Ende des Buches durchziehen, wurden teilweise schon im nächsten Kapitel aufgelöst. Und obwohl der Spannungsbogen dadurch relativ kurz ausfiel, passierte im Roman schon wieder das nächste Ereignis, so dass die relativ kurze Aufklärung überhaupt nicht schlimm war.
Ich gebe dem Roman 4 von 5 Sternen. Warum ziehe ich einen Stern ab? Mir wurde der Hauptdarsteller Micah im Laufe des Romans durch sein Verhalten immer mehr unsympathisch und ich kam mit den unendlich  vielen Schlägen, welche er hauptsächlich seinem Lakai Rodney  verpasste, nicht so ganz klar. Wobei diese Praktiken und die Schläge in der BDSM-Szene durchaus gängig und sogar gewünscht sind, wie mir die Autorin in der Leserunde versicherte. Trotzdem hatte ich das Gefühl, Micah darf sich alles erlauben und die anderen müssen alle nach seiner Pfeife tanzen. Auch das ist im Laufe der Geschichte nicht so, denn die anderen sind bei weitem keine Unschuldslämmer und Micahs Verhalten ist erklärbar, trotzdem brannte sich mir der unsympathische Eindruck immer weiter ein und ich konnte ihn nicht mehr abschütteln.
Zum zweiten fehlte mir der berühmte Cliffhanger zum nächsten Roman. Ich hätte gerne eine kleine spannende Andeutung gehabt, was mich im Fortsetzungsroman erwartet.  Momentan weiß ich nur, dass eine Urlaubsreise nach Schottland ansteht und dies ist mir zu wenig.
Aber, es gibt gar keinen Zweifel, den Fortsetzungsroman möchte ich unbedingt lesen und kann den Erscheinungstermin kaum abwarten. Trotz unsympathisch gewordener Hauptfigur, die sich eine zweite Chance bei mir verdient hat, möchte ich wissen, wie es mit den ganzen Kerlen weitergeht und was für wilde Abenteuer noch auf alle warten. Ich gebe allen Fantasy-Liebhabern, die keine Angst vor gewalttätigen Schilderungen und detailgetreuen Gay-Sexszenen haben, eine ganz klare Leseempfehlung.

Die Daten zum Buch:


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